Marlene: Eine Berliner Weisse, aber in lecker

Als ich das Etikett sah und Berliner Weisse las, habe ich direkt an irgendwas mit Himbeere oder Waldmeister gedacht. So stelle ich mir ein gediegenes Bierchen heute nicht mehr vor. Aber du kennst das Sprichwort: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Kennst Du die Bierhistorie zur Berliner Weissen? Ich nicht, deswegen lohnt ein Blick in die bierigen Geschichtsbücher. Im 19. Jahrhundert hat man jährlich jede Menge Weisse gebraut. Man sagt, bis zu einer Million Hektoliter. Ganz schön viel, aber das war auch nötig. Zur damaligen Zeit war das Trinkwasser so schlecht. Während sich die Ärmeren das Grundgebräu im Eimer abholten, um es zuhause reifen zu lassen, schlürften es die feinen Damen und Herren aus Kristallpokalen. Früher war eben doch nicht alles besser.

Als man es geschafft hat, dass einfacher zu produzierende Braunbiuer herzustellen, begann der Niedergang der Berliner Weisse, die in der sogenannten Flaschengärung hergestellt wurde. Braunbier war am Ende billiger und löste die Weisse ab. Vor dem zweiten Weltkrieg gab es nur noch zehn Berliner Brauereien, die die Weisse produziert haben. Nach Übernahme der großen Brauereien im letzten Jahrhundert gab es nur noch die Berliner Weisse aus der Berliner Kindl Brauerei. Und die gibt es einmal als Original, aber eben auch in den Geschmacksrichtungen Himbeer, Waldmeister und Kirsche. Diese Weisse ist aber weder mit der Brettanoyceshefe noch in der Flasche vergoren.

Ein Neustart erfolgte im Jahr 2012. Seit neun Jahren wird in Berlin wieder die klassische Weisse gebraut. Das Ganze war eine herausragende Idee, es war der Beginn der Schneeeulen Biere.

Mittlerweile gibt es aber nicht nur die Brauerei, sondern auch den Salon. Falls es irgendwann mal wieder möglich sein wird zu reisen, wird mich der Weg sicher nach Berlin zur Schneeeule führen.

Doch zurück zum wesentlichen. Die Weisse wurde in eine Stubbi-Flasche gefüllt und mit einem grünen Etikett versehen. Die Schneeeule ziert jedes Etikett, die klassische Weisse hat man nach der großen Marlene Dietrich benannt. Sie war nicht nur Schauspielerin und Sängerin, sondern auch Stilikone. Das gleiche gilt fürs Bier.

Während sonst eher der Hopfen die große Aufmerksamkeit bekommt, ist es bei der Marlene die Hefe. Brettanomyces gehört zu den Hefen, die keine Sporen bilden. Heimisch ist die Hefe im Senne-Tal in der Nähe von Brüssel.

Das Bier ist gelb und relativ klar. Das lässt auf eine lange Gärung schließen. Der Schaum hält sich nicht wirklich lange, was dem Bier aber überhaupt nichts ausmacht. Der Geruch ist säuerlich, fruchtig und prickelnd. Genau der richtige Begleiter für die Scampi-Paste-Pfanne. Das Bier macht Lust. Definitiv.

2 Gedanken zu „Marlene: Eine Berliner Weisse, aber in lecker

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