Pfand gehört daneben

Leider ist es so, dass es in Deutschland zahlreiche Menschen gibt, die Pfandflaschen sammeln müssen, weil das Geld am Ende des Monats nicht zum Leben reicht. Eine traurige Entwicklung, denn Flaschensammler*innen gehören in unseren Großstädten mittlerweile zum festen Bild. Man sieht sie nicht nur bei Großveranstaltungen, die älteren werden sich erinnern, sondern auch in Fußgängerzonen, an Bahnhöfen und in Stadtparks.

Der Soziologe Sebastian J. Moser stellte in seiner Dissertation 2014 fest, dass es nicht nur um einen finanziellen Aspekt geht, sondern auch um eine feste Tagesstruktur, die den Menschen oftmals fehlt. Auch die zunehmende Vereinsamung der Menschen spielt eine tragende Rolle. Weitere Forscher haben dabei festgestellt, dass man bis zu 150 Euro pro Monat dazuverdienen kann.

Der Soziologe Stefan Sell führt vor allem ein nicht ausreichendes Einkommen an. Die Zunahme der Niedriglohn-Jobs, der Zerfall der Tarifbindung und die Entwertung des Sozialstaates sind für ihn weitere Gründe.

Aus Sicht von Attac sind die Flaschensammler ein Symbol für die ärmer werdende Gesellschaft. Zu dem Phänomen gehören aber nicht nur die Flaschensammler, sondern auch die Konsumenten, die ihre Flaschen überall stehenlassen oder im nächsten Gebüsch entsorgen.

Die meisten Flaschensammler, so der aktuelle Wikipedia-Artikel zu diesem Thema, sind männlich und im Rentneralter, direkt danach kommt die Gruppe der Migrant*innen. Die Sammler seien in Regel von der Armut betroffen, aber nicht obdachlos.

In der ehemaligen DDR hat das Sammeln von Rohstoffen, also auch von Glas, Tradition. Dort wurde das Ganze aber in der Regel durch Schulklassen erledigt, die durch den Erlös ihre Klassenfahrten finanzieren konnten.

Flaschensammeln ist nicht unfährlich. Immer wieder liest man davon, dass Flaschensammler*innen im Gleisbett der Bahn unterwegs sind. Auch der ungeschützte Griff in den Papierkorb kann schlimme Folgen haben. Im Papierkorb liegen nicht nur Flaschen, sondern auch Scherben und sogar gebrauchte Spritzen und Nadeln, die Überträger für unzählige Krankheiten sein können.

Nicht zuletzt deswegen, gibt es Initiative „Pfand gehört daneben“, die von Fritz Kola initiiert wurde. Insgesamt landen Pfandflaschen im Wert von 180 Millionen Euro auf dem Müll. Das ist nicht nur weggeschmissenen Geld, sondern eine Verschwendung, die zu Lasten der Umwelt geht.

Die Intiative will dafür sorgen, dass weniger Pfandflaschen in den Müll wandern und gegenüber den Flaschensammler*innen zumindest ein bisschen Respekt zeigen. Die Macher*innen der Initiative dürfen sich über große Unterstützung freuen. So sind unter anderem die Astra-Brauerei, Wildwuchs, Flens, Finne und Ratsherrn Hamburg mit von der Partie. Die Aktion wird auch von zahlreichen Künstlern unterstützt.

Eine weitere Möglichkeit ist das Befestigen von Pfandringen, die an den Papierkörben befestigt werden. Der Pfandring gibt den Konsumentinnen und Konsumenten die Möglichkeit, ihr Leegut abzustellen, und die Sammler*innen können das Pfand bequemer einsammeln. Die Ringe gibt es in den verschiedensten Ausführungen, so dass sie sich auf zahlreichen Abfallkörben anbringen lassen.

Darf eigentlich jede*r Pfandflaschen sammeln. Ja, das geht, allerdings dürfen die Einnahmen den Grundfreibetrag von 8472 Euro nicht überschreiten. Wer mehr sammelt, muss das in seiner oder ihrer Steuererklärung angeben. Wer diesen Betrag erreichen will, muss pro Tag 100 PET-Flaschen, oder 29ß0 Bierflaschen sammeln.

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