Über Biergenuss und seine Schattenseiten

Jede Medaille hat zwei Seiten. Das gilt natürlich auch für Genuss von Bier im Speziellen und für Genuss von Alkohol und Suchtmitteln im Allgemeinen. Zuerst stellt sich mir die Frage, ab welchem Punkt man ein Alkoholproblem hat? Auf der Internetseite www.kenn-dein-limit.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist aufgeführt, dass man von den folgenden Fragen drei mit „Ja“ beantworten muss, um Alkoholabhängig zu sein:

  • Spüren Sie häufig einen starken Drang, eine Art unbezwingbares Verlangen, Alkohol zu trinken?
  • Kommt es vor, dass Sie nicht mehr aufhören können zu trinken, wenn Sie einmal begonnen haben?
  • Trinken Sie manchmal morgens, um eine bestehende Übelkeit oder das Zittern (z. B. Ihrer Hände) zu lindern?
  • Trinken Sie in den letzten Jahren zunehmend mehr Alkohol, um eine bestimmte (gewünschte) Wirkung zu erzielen?
  • Ändern Sie Tagespläne, um Alkohol trinken zu können, bzw. richten Sie den Tag so ein, dass Sie regelmäßig Alkohol konsumieren können?
  • Trinken Sie, obwohl Sie wissen, dass der Alkoholkonsum bereits zu schädlichen körperlichen, psychischen oder sozialen Folgen geführt hat?

Wenn das auf dich zutrifft, solltest du dir dringend Hilfe holen. Informationen zur Suchtberatung findest Du hier. Außerdem solltest du mit deinem Hausarzt über dein Problem sprechen. Eventuell bietet dir auch dein Arbeitgeber Hilfen an.

Die BZgA spricht vom riskoarmen Alkoholkonsum, wenn Frauen nicht mehr als ein Standardglas und Männer nicht mehr als zwei Standardgläser pro Abend trinken. Dazu sollten mindestens zwei Tage pro Woche ohne Alkohol eingehalten werden. Auf das Bier bezogen wäre ein Standardglas mit 0,3 Litern Bier gefüllt.

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Viele Menschen trinken mehr Alkohol. Insgesamt geht man davon aus, dass etwa 1,6 Millionen Männer und Frauen zwischen 18 und 64 Jahren missbräuchlich Alkohol trinken. Dadurch werden sowohl körperliche als auch psychische und soziale Folgen in Kauf genommen. Auf der Internetseite www.aktionswoche-alkohol.de, die von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, der Barmer, der Deutsche Rentenversicherung und der Drogenbeauftragten der Bundesregierung betrieben wird, wird berichtet, dass durch Alkoholmissbrauch etwa 74.000 Menschen pro Jahr sterben. Die direkten und indirekten Kosten der Sucht belaufen sich pro Jahr auf 40 Milliarden Euro. Auf der anderen Seite stehen staatliche Einnahmen von 3,14 Milliarden Euro.

Eine weitere erschreckende Zahl ist, dass es im Jahr 2017 zu fast 14.000 alkoholbedingten Unfällen kam, bei denen Personen verletzt wurden. Insgesamt 214 Menschen kam bei Unfällen mit Alkoholeinwirkung zu Tode. 26,8 Prozent der Gewalttaten wurden unter Alkoholeinfluss begangen. 30,5 Prozent der Tatverdächtigen in der Gruppe „Totschlag und Tötung auf Verlangen“ waren ebenfalls alkoholisiert. Auch diese Zahlen stammen aus dem Jahr 2017.

Den Missbrauch von Alkohol hat auch der Deutsche Brauer-Bund als Problem erkannt und die Aktion Drink responsibly auf der Internetseite www.bierbewusstgeniessen.de.

Dort wird noch einmal ganz explizit auf die Gefahren hingewiesen.

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Wer Medikamente einnehmen muss, sollte auf Alkohol verzichten. Auf jeden Fall ist eine Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin ratsam, um Wechselwirkungen auszuschließen. Psychopharmaka sorgen etwa dafür, dass der Blutdruck gesenkt wird. Das kann unter anderem zu einem Kreislaufkollaps führen. Antibiotika wird von der Leber abgebaut, zusätzlicher Alkoholkonsum würde die Leber unnötig belasten. Betablocker werden bei Alkoholkonsum schneller abgebaut und können dadurch ihre Wirkung nicht zeigen. Der gleichzeitige Einsatz von Alkohol und Schmerzmitteln kann zu Magenblutungen führen.

Schwangerschaft und Alkohol sollten sich genauso ausschließen wie Alkohol und Nikotin. Kleinste Mengen an Alkohol kann das Wachstum des ungeborenen Kindes stark beeinträchtigen. Das gilt auch für das Gehirn und die Organe. Im schlimmsten Falle muss das Kind ein Leben lang mit dem fätalen Alkoholsyndrom (FASD) und den teilweise gravierenden Einschränkungen leben!

Klar ist auch, das Bier erst ab 16 Jahren getrunken werden sollten. Auch im jugendlichen Alter können Nerven, Organe und Knochen geschädigt werden. Alkohol ist kein Problemlöser, schon gar nicht für heranwachsende Menschen.

Dazu gibt es zahlreiche Mythen, die nicht stimmen.

Alkohol kann so gut wie nicht ausgeschwitzt werden. Lediglich fünf Prozent des Alkohols gibt der Körper über die Haut ab. Wer Sport macht oder im Club tanzt baut keinen Alkohol ab. Den Job muss sie Leber übernehmen, der ist es egal ob du auf dem Sofa sitzt oder durch den Wald joggst. Besser wäre es viel Wasser zu trinken. Das beugt einem Kater vor und schützt dich vor dem Dehydrieren.

Alkohol wärmt den Körper? Das ist Blödsinn. Alkohol bewirkt das Gegenteil. Blutgefäße werden erweitert und holen das Warme Blut aus der Tiefe des Körpers um das Hautgewebe stärker zu durchbluten. Dadurch entsteht ein Wärmegefühl. Besondern gefährlich ist das bei den Obdachlosen, die auch bei Kälte draußen schlafen müssen.

Schon mal was vom Konterbier gehört? Auch das ist Quatsch. Der Körper braucht Ruhe, Flüssigkeit und Nährstoffe. Greif lieber zu Wasser, Säften und herzhaftem Essen.

Kann der- oder diejenige, die Fettes isst, mehr trinken? Quatsch. Ein voller Magen verhindert lediglich, dass der Alkohol mit höherer Geschwindigkeit durch die Magenschleimhaut aufgenommen werden kann.

Bei Alkohol und Energydrinks ist ebenfalls Vorsicht geboten. Die Wechselwirkung zwischen dem Alkohol und den Energydrinks ist immer noch nicht geklärt. Du fühlst dich wach und fit? Bist Du aber nicht.

Wer in diesem Jahr die Möglichkeit hat in den Urlaub zu fahren sollte auch daran denken, dass es im Ausland mitunter andere Regeln gibt: In Spanien, Italien und Kroatien gibt es Alkohol erst ab 18 Jahren, in den USA sogar erst ab 21. Außerdem ist es nicht überall, zum Beispiel in Polen, gestattet, Alkohol in der Öffentlichkeit zu trinken.

Ich will keinem den Spaß und die Freude am Bierchen nehmen, aber Alkohol sollte immer ein Genussmittel sein.

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