Kein Wegbier im Central Park

Andere Länder, andere Sitten. Schließlich wäre es langweilig und ziemlich öde, wenn alle und alles gleich wäre. Das gilt für die meisten Themen, genauso wie für den Biergenuss. Wer im westfälischen Ruhrgebiet aufgewachsen ist und später ins Münsterland migrierte, kennt sich mit dem Wegbier allerdins bestens aus.

Das Wegbier gönnt sich sogar einen eigenen Beitrag bei Wikipedia. Dort ist erklärt, dass es sich hierbei um ein Bier handelt, welches von Touristinnen, Touristen und Einheimischen zwischen zwei Aufenthaltsorten getrunken wird. Alternativ kursiert auch der Begriff Fußpils. Der hat es sogar 2014 in die Vorauswahl zum Jugendwort des Jahres geschafft. Die Jugend habe ich schon lange hinter mir gelassen, deswegen bleibe ich bei der klassischen Variante.

In den Genuss des Wegbieres kann man leider nicht überall auf diesem Globus kommen. Wenn Du einen Amerikaner nach einem Wegbier fragst, wird dieser wahrscheinlich mit den Schultern zucken. Dort darf in der Öffentlichkeit kein Bier getrunken werden. Das gilt auch für Strände, Parks und die sogenannten Flaniermeilen. Für Vergehen unter Alkohol landet man dort vor Gericht und wenn es ganz dumm läuft sogar im Gefängnis.

Es geht sogar so weit, dass man Alkohol in brauen Tüten tragen sollte, um nicht in Erklärungsnot zu kommen. Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, sollte das Bierchen in den Kofferraum.

Also müsste ich mich ohne Wegbier in den Centralpark aufmachen. Macht auch nichts, der Park hat so Einiges zu bieten. Den Stadtpark im Herzen Manhattans gibt es seit 1873 und er ist seit 1963 vom US-Innenministerium als Ort von besonderer historischer Bedeutung eingestuft. Mit fast 350 Hektar nimmt er 6% der Fläche Manhattans in Beschlag. Bei einem Besuch könnte es eng werden, jedes Jahr besuchen 25 Millionen Menschen den Park, das macht rund 70.000 Besucher*innen pro Tag.

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Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich das Umfeld des Parks sichtlich gewandelt. Immer mehr Wolkenkratzer ließen den Park anders erscheinen. Wenn man sich das Ganze auf einem Luftbild anschaut, sieht das schon sehr spektakulär aus.

Vor etwa 40 Jahren war der Park in einem desolaten Zustand, so dass sich eine Privatinitiative gegründet hat, die den Park in Eigenleistung gepflegt und Spenden gesammelt hat. Inzwischen machen Spendengelder 85% des Budgets der Parkanlage aus. Die Gärtner*innen und die weiteren Mitarbeiter kümmern sich um 250 Hektar Wiesen, 24.000 Bäume, 150 Hektar Gewässer und 80 Hektar Wald. Dazu kommen regelmäßige Neupflanzung und die Unterhaltung von 9.000 Bänken, 26 Spielplätze, 21 Ballspielfelder, 55 Denkmäler und Skulpturen, sowie 36 Brücken. Dazu kommen 2267 Tonnen Müll.

Für den Central Park würde ich mir definitiv einen ganzen Tag Zeit nehmen. An der Ecke 5th Avenue/E 60th st geht es in den Park. Wir sind ganz im Südosten des Parks und sehen die Kombard-Lampe, eine Nachbildung einer Straßenlaterne aus Gusseisen und Aluminium. Die Lampe ist ein Geschenk der Hansestadt Hamburg, eine solche Lampe steht auf der Hamburger Lombardbrücke. Eine weitere Skulptur steht im Stadtwäldchen, und zwar die Thomas Moore Statue. Moore, war irischer Nationaldichter und lebte von 1779 bis 1852. An der Gapstow Bridge überqueren wir „The Pond“. Dabei handelt es sich um einen Teich, der etwas niedriger als die Straße liegt. Es ist still und ruhig, deswegen sind hier auch insgesamt 240 Zugvogelarten zu Hause. Ein Ort der Stille und der Ruhe. Und das mitten in der aufregendsten Stadt der Welt. Zu jeder Jahreszeit eine echte Idylle. Im Frühling, wenn alles wieder grün wird und die Natur erwacht genauso wie im Winter. Bevor es weitergeht, gönne ich mir etwas Ruhe und genieße den Ausblick und das Zwitschern der Vögel. Wäre es Winter, kämen wir an der berühmten Eisbahn vorbei. Die lasse ich hinter mir, mein Ziel ist der Heckscher Playground, einer der Spielplätze im Central Park. Den gibt es immerhin seit 1926. In unmittelbarer Nähe sind auch Sportflächen, die den New Yorker Platz und Raum für sportliche Aktivitäten bietet.

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Nach der Gaspow Bridge und der Greyshot Arch ist die Dalehead Arch die dritte Brücke, die es zu überqueren gilt. Hier wird es wieder ruhiger, ich befinde mich etwas abseits der Touristenpfade. Wenig später wird es voller. Auf der Wiese „Sheep Meadow“ grasen längst keine Schafe mehr. Die gepflegten Rasenflächen laden zum Picknicken und zum Sonnenbaden ein. Einladend, aber man ist ja nicht zum Spaß hier.

Weiter geht’s in Richtung Seventh Regiment Memorial, vorher passier ich noch „Runners´Grove“, eine Laufstrecke im Park sowie den Adventure Playground. Weiter geht’s über den Bridle Path, der parallel zur Central Park west verläuft. Der Weg führt mich vorbei an John Lennon Memorial zu den Strawberry Fields. Der Bereich wurde nach dem Tod von John Lennon von Yoko Ono umgestaltet und nach dem Lied „Strawberry Fields forever“ benannt.

Es ist wieder Wasser zu sehen. Und zwar das vom Central Park Lake. Grünlich schimmerndes Wasser und Holzboote lassen einen vergessen, wo man ist. Ein Platz der Stille im Herzen von New York. Unglaublich. Das Boot nehme ich nicht. Ich gehe am westlichen Ufer am See vorbei am Ladies Pavilion. Nicht nur ein idealer Platz um auf den See zu schauen, auch Hochzeiten finden dort regelmäßig statt. Auch an Hernshead Rocks kann man die Stille und einen atemberaubenden Blick auf New York City erhaschen. Kurz danach verlasse ich das Ufer und mache einen Schlenker über die „Trilpets Bridge“. Vorbei am Obelisken und dem Alexaner Hamilton Monument geht es zu the Great Lawn, der zentralen Wiese im Central Park. An manchen Tagen gibt es dort sicher weniger freie Plätze als an den Pools auf Mallorca. Direkt daneben kann auf den Basketballfeldern ein paar Körbe werfen oder zumindest den talentierteren Spielern zusehen wie sie es definitiv besser können als ich.

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Das Arthur Ross Pinetum soll einer der ruhigsten Plätze im ganzen Park sein. Dort soll es sich hervorragend picknicken lassen. Vielleicht das nächste Mal, es zieht mich weiter in nördliche Richtung, als ich schon wieder Wasser sehe. Das „Jacqueline Kennedy Onassis Reservoir“ ist ein ehemaliges Wasserreservoir. Bis 1993 erfüllt es seinen Zweck und wurde 1994 mit dem aktuellen Namen versehen. Die Wasserfläche ist 43 Hektar groß und umfasst fast vier Millionen m³ Wasser. Die absolute Attraktion ist die Kirschblütenzeit. Die Kirschblüte hätte ich verpasst, dafür steht die Rhododendronmeile in voller Blüte. Doch nicht nur die Flora ist hier extrem vertreten, der ehemalige Wasserspeicher beherbergt mehr als 20 Arten von Wasservögeln. Ich werfe beim Weitergehen einen Blick auf das Wasser. Dieses Mal wähle ich die östliche Seite des Ufers. Es wird Zeit für eine kleine Stärkung. Direkt hinter dem Guggenheim Museum liegt das „Bluestone Lane Upper East Side Café“. Dafür muss man Engineer´s Gate kurz den Park verlassen. Für einen heißen Kaffee ist es mir zu warm, aber den gibt es ja mittlerweile auch kalt. Für mich immer noch ziemlich ungewohnt, soll aber schmecken. Zur Stärkung bestelle ich mir eine Best Mates Bowl, mit Rosenkohl, Champignons, Rührei, Kohl, Feta und eingelegten Zwiebeln. Als der Kaffee leer ist, muss es noch ein Wasser sein. Genau das richtige, um wieder aufzutanken und den Füßen eine kleine Pause zu gönnen.

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So, wer rastet der rostet: Zurück in den Park. Ich setze den alten Weg fort und komme am jüdischen Museum vorbei und bin wenig später im nördlichen Teil des Parks. Dort sind weitere Spiel- und Sportplätze, sowie „The Loch“. Ein kleiner Wasserfall im nördlichen Wald des Parks. Vorbei am Great Hill erreiche ich kurz darauf „The Blockhouse“ und bin nur an der nördlichen Spitze des Parks. Das Blockhouse ist eine ehemalige Festung und gehört damit zu den ältesten Gebäuden im Park.

Aber ich habe noch nicht alles gesehen, was ich mir vorgenommen habe. Die letzte Etappe führt mich am Harlem Meer vorbei zum Charles A. Dana Discovery Center. Als letzten Punkt habe ich mir den Conservatory Garden ausgesucht. So akkurat, wie die Kolleginne und Kollegen hier die Hecken schneiden, werde ich das niemals hinbekommen.

Ich bin müde und meine Füße tun weh. Ein Hotdog werde ich mir trotzdem noch gönnen. Und ein Bierchen, das aber erst im Hotel.

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Ein Gedanke zu „Kein Wegbier im Central Park

  1. Kleiner Unterschied: Strand von Vancouver, wir zu zweit, zugelaufen 1 Hund, mitgebracht 2 Bier. 1 Cop kam. blabla… have to put it in the bag. Der fand uns wohl auch harmlos, denn baden ging da sonst niemand. Angeln, das hätten sie verstanden….

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