Wie geht es der Warsteiner Brauerei?

Während ich Warsteiner eher so naja finde, schwört der mütterliche Teil der Familie auf das Pils von Warsteiner. Wer sich dort mit einem Veltins in der Hand blicken lässt wird wahrscheinlich sozial geächtet. Dabei ist die Veltins-Brauerei viel näher am Geburtsort meiner Mutter als die Warsteiner-Brauerei. Nunja, die Sippe hat sich auf Warsteiner eingeschworen. Wenigstens gibt es dort mit dem herben Pils und dem Brewers Gold zwei Alternativen die sich deutlich besser trinken lassen als das Pils. Das ist jedenfalls meine Meinung, die Verwandtschaft und das halbe Sauerland mögen das anders sehen. Und das ist ja auch völlig okay so.

Die Warsteiner Brauerei gibt es fast so lange wie das Sauerland, quasi seit dem Jahr 1753. In diesem Jahr musste der Landwirt Cramer erstmals Steuern in Höhe von einem Reichstaler und 19 Gulden bezahlen. Später wurde die Hausbrauerei von seinem Sohn übernommen. Im Jahre 1802 fiel die Braustätte einem Brand zum Opfer, auch das Wohnhaus der Familie Cramer wurde durch die Flammen zerstört.

Das Stammhaus wurde am selben Standort neu aufgebaut. Neben der Hausbrauerei gab es dann auch einen Gast- und Beherbergungsbetrieb. Das Stammhaus steht noch heute im historischen Stadtkern der Stadt Warstein.

Der wirkliche Aufschwung der Warsteiner-Brauerei begann 1884, als man eine Anbindung ans Eisenbahnnetz bekam. Wenig später wurde der Betrieb modernisiert und damit konnte Warsteiner seinen Markt erweitern. Damals hat man auch Bockbier, Limonaden und Tafelwasser abgefüllt.

1928 hat man sich durch die Erschließung der Kaiserquelle auf die Produktion von Pils konzentriert. Seit 1960 gehört Warstein mit 100.000 Hektolitern produziertem Bier pro Jahr zu den Großbrauereien. Die Leute wollten mehr von dem Pils aus Warstein, so dass man 1974 mit dem Neubau der Brauerei am Stadtrand von Warstein begann. 1984 war mit 2 Millionen Hektolitern die größte Biermarke in Deutschland, 1994 produzierte man 6 Millionen Hektoliter. Bis 2017 sank die Produktion auf 2,15 Millionen Hektoliter.

Das lag zum einen, wie im Wikipedia-Bericht nachzulesen ist, an der wenig innovativen Markenstrategie und zum anderen an Verschwörungstheorien, die die Warsteiner-Brauerei mit den Scientologen in Verbindung gebracht haben. Diese Gerüchte kamen zum ersten Mal in der Zeit auf, als Warsteiner das beliebteste Bier in Deutschland wurde. Trotz vieler Versuche, die Verschwörungstheorien zu wiederlegen und die Schuldigen ausfindig zu machen, musste man enorme Umsatzeinbußen hinnehmen.

Auch der Bericht über die Legionellen im Belebungsbecken der Betriebskläranlage war sicherlich nicht förderlich. Das Becken ist mittlerweile nicht mehr im Dienst aber das Wasserentnahmeverbot für Möhne und Wäster, gilt bis heute.

Aktuell hat man sein Produktportfolio wieder ausgebaut und neben dem Warsteiner Premium Pils, dem Brewers Gold, dem Winterbier und dem Warsteiner Herb auch einige Biermischgetränke (Grapefruit, Radler Zitrone, Lemon) und alkoholfreie Varianten im Portfolio.

Dazu kommen noch die Biermarken König Ludwig, Franhenheimer, Herforder, Weissenburg, Isenbeck und Paderborner, die ebenfalls zur Warsteiner-Gruppe gehören.

Die Coronakrise hat die Sauerländer besonders hart getroffen. Der Absatz der Brauerei ging um 16 Prozent in den Keller, damit konnte man weniger als 2 Millionen Hektoliter an die Biertrinker*innen bringen.

Vor kurzem wurde bekannt, dass die Warsteiner-Brauerei ihre Mitgliedschaft beim tarifgebundenen Arbeitgeberverband und auch im Brauereiverband NRW beendet hat. Wie das Portal www.getraenke-news.de berichtet, strebt man stattdessen eine Einigung mit den Sozialpartnern an.

Bleibt zu hoffen, dass sich die Brauerei so konsolidieren kann, dass man sich gut für die Zukunft aufstellen kann. Was soll die Verwandtschaft denn sonst trinken?

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