Ein Schnitzel, zwei Bier und keine Bildzeitung

Als ich der letzten Wochen beruflich nach Erfurt reisen musste, hatte ich einen freien Abend ohne Seminarteilnehmer*innen und Programm. Nach einem Gang durch die schöne Erfurter Altstadt und vor der Grünen Wahlkampfveranstaltung mit Robert Habeck und Katrin Göring-Eckhardt auf dem Domplatz wurde es Zeit für eine Stärkung.

Eigentlich hatte mir der Hotelier die Kneipe „Andreas Kavalier“ vorgeschlagen, aber die hatten noch zu. Auf dem Rückweg in Richtung Innenstadt bin ich an der Andreasstraße/Marbacher G. am Maxx vorbeigekommen. In der Außengastro war noch was frei und ich hatte ein schönes Plätzchen. Auch die Nachbartische waren teilweise gefüllt.

Die Entscheidung fiel mich nicht wirklich schwer. Es gab ein leckeres Schnitzel mit Kartoffelecken, Spiegelei und Bacon. Manchmal tun es auch die einfacheren Dinge. Ein Bayreuther Helles rundete das Ganze ab.

Die Bedienung war freundlich, wahrscheinlich konnte sie nix dafür, dass es im Maxx zum dritten Bier eine Bildzeitung gab. Deswegen war klar, dass es im Max an diesem Abend nur zwei Biere werden können.

„Da hat er wieder Bild-Zeitung gelesen. Dieses Drecksblatt, das so widerlich ist, dass man toten Fisch beleidigt, wenn man ihn drin einwickelt“, so lautet ein Zitat von Volker Pispers.

„Ohne Springer wäre diese Republik heute demokratischer; es gäbe weniger Nationalismus und Rassismus, weniger Polizeistaat, weniger Schnüffler, weniger Misstrauen, weniger Lüge, weniger Prostitution, sexuelle wie politischere. Die Bundesrepublik wäre ein friedlicheres Land, nicht so gefährlich für seine Nachbarn und seine eigenen Minderheiten.

Günter Walraff, Zeugen der Anklage, Kapitel Der ‚Bild‘-Konzern, zitiert Gudrun Kruip: Das Weltbild des Springer-Verlags, Oldenbourg Wissenschafts-Verlag 1999, Seite 257

Auch für mich ist die Bildzeitung ein absolutes No go. Journalismus sollte die Menschen aufklären und informieren. Die Bild hetzt, lügt und treibt einen Spaltpilz in unsere Gesellschaft. Das ist mehr als gefährlich, zumal viele Bild-Leser*innen die Informationen unreflektiert aufnehmen.

Das Bier kann jedoch nichts für die Werbeaktion. Wer das Bier probiert, der weiß, warum die Verkaufszahlen vom Hellen weiter steigen. Ein Helles ist süffig und mild, dazu kommt ein gut abgestimmter Hopfengeschmack, der Bier ein wenig die vorhandene Süße nimmt. Wenn man vor dem Probieren das Aroma aufnimmt, spürt die Nase frische und blumige Noten, dazu den Geruch von Hopfen, Honig und Karamell.

Das Helle aus dem Bayreuther Brauhaus ist gelungen und macht Spaß, zumindest dann, wenn man die BILD-Zeitung weglässt.

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