Warum die LGBTQ-Szene in Polen kein Tyskie trinkt

Biere der Tyskie-Brauerei sind in Deutschland auf dem Vormarsch und erfreuen sich bei den deutschen Biertrinker*innen einer wachsenden Beliebtheit. Das geht sogar so weit, dass das Tyskie zu beliebtesten internationalen Bieren in Deutschland zählt. Das dürfte sicher auch an den vielen Bierfreund*innen mit polnischen Wurzeln liegen.

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Das Pils besticht durch ein leichtes Hopfenaroma, die typische Farbe und den feinen Schaum. Alles Gründe, die dafür gesorgt haben, dass das Tyskie die mit Abstand größte polnische Biermarke in Polen ist.

Allerdings stößt das Bier bzw. das Handeln der Brauerei in einigen Teilen der Bevölkerung auf Ablehnung. Die LGBTQ-Szene in Polen hat im letzten Jahr dazu aufgerufen, die Produkte der Brauerei zu boykottieren.

Stein des Anstoßes war ein Sponsoring der Brauerei bei einer Veranstaltung der rechtsnationalen Zeitung Gazeta Polska. Es ging um eine Gala, auf der der Jaroslav Kaczynski als Parteichef der Regierungspartei PiS zum dritten Mal in Folge zum „Mann des Jahres“ gewählt wurde.

Kaczynskis Partei setzt sich in Polen unter anderem dafür ein, dass in Polen die CSD´s verboten werden sollen. Die Zeitung hat dazu Aufkleber mit der Aufschrift „LGBT-freie Zone“ verbreiten lassen.

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Die Brauerei versuchte u.a. mit Gutscheinen entgegen zu steuern, allerdings kam der Versuch der Beschwichtigung bei den Aktivisten in Polen nicht gut an. „Aber so geht Community-Politik nicht!“, äußert sich Richard Stein vom Südblock gegenüber dem Magazin siegessaeule.de. Er forderte Asahi auf, queere Projekte in Gebieten zu unterstützen, die sich selbst zu „LGBT-Ideologie-freien Zonen“ erklärt haben. Doch ging es daraufhin nur mit einem ziemlich vagen, offiziellen Statement seitens Asahi im Juni weiter. Darin hieß es: „Wir sind der festen Überzeugung, dass alle Menschen gleich sind und unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sexuellen Orientierung die gleichen Rechte haben – Vielfalt und die freie Entfaltung aller sind seit jeher ein fundamentaler Bestandteil der Unternehmenskultur von Asahi.“ Richard Stein vom Südblock ist da eher skeptisch: „Der Konzern bezeichnet sich als weltoffen, schaut aber nicht, ob seine Tochterfirma in Polen durch Sponsoring eine homophobe Politik unterstützt.“

Auch Jerzy M. Sczcesny aus der grüner Bundestagsfraktion nimmt im Magazin siegessäule.de entsprechend Stellung: „Wer Aktivitäten eines Magazins unterstützt, das Aufkleber für ,LGBT-freie Zonen‘ verteilt, ist ein homo- und transfeindlicher Mittäter. In Polen menschenfeindliche Hetze – auch indirekt – zu unterstützen und in Deutschland in queeren Bars Bier zu verkaufen ist schäbig. Die in Polen initiierte Boykottaktion ist extrem wichtig. Auch wir in Berlin sollten Produkte dieser Brauerei meiden. Das gebietet die so oft beschworene Solidarität mit der polnischen LGBTI*-Community.“

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