Die Weisse von BRLO und das Streit um die Berliner „Charta Stadtgrün“

Das Schöne am Bier trinken ist ja, dass man sich genüsslich in einen Sessel oder aufs Sofa setzen kann, und über die Probleme der Welt philosophieren kann. Noch besser ist es, wenn einem nachher Lösungsansätze einfallen.

Zu der  Berliner Weisse von BRLO passt thematisch eine Diskussion über die Charta Stadtgrün ganz gut. So wirklich schlau daraus wird man allerdings nicht.

Eigentlich war man sich bereits einig. Der Senat, die Bezirke und die Fachpolitiker hatten bereits zugestimmt. Doch dann ist der Wahlkampf und zwischen der SPD und den Grünen entbrannt. Bei der Charta handelte es sich um ein Papier mit dem man sich verpflichten wollte, die Grün- und die Brachflächen in Berlin zu erhalten. Ein ehrenwerter Ansatz, das ist keine Frage. Das Papier umfasst 33 Seiten, am Ende scheiterte das Vorhaben an 24! Wörtern.

Wie die SPD betont, wollten Die Grünen alles oder nichts, die Gegenseite führt an, dass man mit der SPD keinen konsequenten Umwelt- und Klimaschutz betreiben kann. Außerdem werden taktische Erwägungen angeführt. Kurios jedenfalls, dass die Charta eigentlich schon beschlossen war.

Ziel der Charta war es, neue Versiegelungen zu vermeiden und bei Neu- und Überplanungen dem Umwelt- und Klimaschutz ein stärkeres Gewicht zu geben. Knackpunkt der Formulierung war die Frage, ob Grünflächen grundsätzlich oder nur dann zu schützen sind, wenn keine öffentlichen Interessen dagegensprechen.

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Letzteres im völlig inkonsequent, da man vieles begründen und damit fast alles ignorieren kann. Alle Grünanlagen, und das gilt nicht nur für  Berlin, sind ein wichtiger Bestandteil des öffentlichen Grüns. Bürger*innen brauchen einen direkten Zugang zum Stadtgrün, und das ist unabhängig vom Wohnort und vom Kontostand. Stadtgrün hat einen wichtigen Erholungs- und Freizeitwert.

In Grünflächen darf es keine Nachverdichtung geben, Flächen müssen entsiegelt und begrünt werden. Damit schlägt man mehrere Fliegen mit einer Klappe. Grünflächen senken die Temperaturen und sorgen damit für eine bessere Biodiversität und für bessere Lebensbedingungen. Sowohl für menschliche als auch für tierische Stadtbewohner. Außerdem werden Menschen, die die Natur vor der Haustür haben seltener krank und das Auge freut sich auch über jedes Grün. Die Natur muss zurück in die Stadt. Wir brauchen mehr Platz fürs Grün und weniger Platz für Parkplätze und Autos. Hier muss umgedacht werden. In der Politik, im Rathaus und auch und vor allem bei den Bürger*innen.

Weiterhin wollte man die Kleingärten mit den Quartieren verknüpfen, Friedhöfe als zentrale Grünräume erhalten, Wälder schützen und Ausfälle kompensieren, Landwirtschaftliche Flächen umweltgerecht aufwerten, Schutzgebiete entwickeln, Flüsse und Kanäle benutzbar machen, Uferwege so ausbauen, dass Nutzungen der verschiedenen Nutzer möglich sind, Angebote von öffentlichen Sportfläche ergänzen und neue Naturräume entwickeln.

Auch Spielplätze und große Naturräume waren ebenso Aspekt der Charta Stadtgrün, wie die Fassadenbegrünung und das Straßenbegleitgrün.

Dazu hat man eine Qualitätsoffensive für das Berliner Stadtgrün ausgerufen. Durch die Gestaltqualität soll die Nutzbarkeit erhöht werden. Dafür ist stellenweise eine grundlegende Überplanung und Neuausführung nötig. Eine nachhaltige Planung muss die natürlichen Lebenszyklen berücksichtigen. Neubau, Sanierung und Unterhaltung müssen aufeinander abgestimmt sein. Das sorgt unterm Strich für eine verbesserte grüne Baukultur.

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Ja es ist richtig, dass die abgeschwächte Version, die die SPD favorisiert, inkonsequent und schwammig ist, dennoch ist der komplette Verzicht auf eine Charta Stadtgrün ein Armutszeugnis für alle Beteiligten.

Das einzig Positive was jetzt noch hängen bleibt, ist die Weisse von BRLO. Das Sauerbier passt perfekt zu einem sommerlichen Tag, auch im Herbst.

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