„Männer wie wir, Wicküler Bier!“

Mit diesem Slogan würde man heute sicher keinen Kreativpreis gewinnen, lediglich Friedrich Merz und andere ewig gestrige würde man damit auf seine Seite holen. Damals war das der Werbespruch der Wicküler Brauerei. Ob die einstmals so erfolgreiche Brauerei deswegen nun nur noch ein Nischendasein fristet, darf allerdings bezweifelt werden.

Wicküler gab es früher auch im Münsterland.

Bereits 1845 wurde die Brauerei in Elberfeld gegründet. Damals eine eigenständige Stadt, gehört Elberfeld mittlerweile längst zu Wuppertal.  Bis zum Ende des 20. Jahrhunders war Wicküler das Lieblingsgetränk der meisten Biertrinker*innen aus dem Bergischen Land.

Wicküler, der in Köln geboren wurde, kam in den 1840er Jahren nach Elberfeld und gründete die Brauerei, die seinen Namen tragen sollte. Die Anfänge lagen in der Gaststätte „Im Fürsten Blücher“ auf der Wilhelmstraße, später zog man in die Mühlenstraße und noch später in die Ronsdorfer Straße um.

Nach seinem Ausscheiden übernahm sein Sohn Franz Joseph die Geschäfte und heiratete die Brauereierbin Julia Küpper. Die Ehe hielt allerdings nicht lange, so dass man hinter der Vermählung eher wirtschaftliche Interessen vermutete.

1877 trennte sich die Brauerei von seinen Gaststätten und konzentrierte sich auf das Braugeschäft. Deswegen wurde die Brauerei ausgebaut und ein Sudhaus kam ebenso dazu wie eine Kühlanlage und Dampfmaschinen. Dadurch konnte man den Ausstoß im Jahr 1899/1900 erstmals auf 200.000 Hektoliter erhöhen. 1916 starb Wicküler an einer Nervenkrankheit.

Wicküler hatte kurz vor seinem Tod die Konzentration auf den Braustandort in der Bendahler Abteilung zwischen der Maurer Straße und der Straße Hesselberg. Dort liegt heute die „Wicküler City“, ein Einkaufszentrum mit gastronomischen Angeboten in Wuppertal-Unterbarmen.

In Folge der beiden Weltkriege kam es zu einer großen Rohstoffknappheit, auch die Mitarbeiter standen nicht mehr zur Verfügung, da sie von der Armee an die Front geschickt wurden. Die Produktionsmengen gingen drastisch zurück. Am Ende des Krieges hatte die Wicküler-Brauerei zwei Drittel seiner Produktionsanlagen verloren und musste auch auf den Absatzmärkten Einbußen und Rückschläge hinnehmen.

Aber Wicküler kämpfte sich zurück und 1949 war man bereits wieder weltweit vertreten. Kurz darauf entstand die Marke Küppers-Kölsch und die Brauereien Adler, Gesenberg, Waldschloss und Carl Bremme wurde übernommen, dazu gab es Beteiligungen an Sion und Reginaris.

Seit den 1980er-Jahren war man durch die Familie Werhan, die 96% der Aktien-Anteile besaß, wieder eine Privatbrauerei. Die Mitarbeiter*innen wurden von 600 auf 1.300 aufgestockt, allerdings wollte man zehn Jahre später Arbeitsplätze einsparen und Braukapazitäten nach Köln verlegen. Die Produktion von Fassbier sollte aber in Düsseldorf bleiben.

Auch wenn die damalige Landesregierung um den Wuppertaler Ministerpräsidenten Johannes Rau alles versuchte, verkaufte die Familie Wehrhahn die Brauerei an die Grolsch-Gruppe aus Enschede.

Die komplette Produktion verließ Wuppertal, so dass das Wicküler Pils komplett in Köln gebraut wurde. Mehr als 200 Angestellte verloren ihren Arbeitsplatz und die Grolsch-Gruppe verkaufte die Brauerei an die Dortmunder Brau und Brunnen AG.

Diese Gruppe gehört inzwischen, und damit auch Wicküler, zur Radeberger-Gruppe. Wicküler wird inzwischen nicht mehr in Köln, sondern in Dortmund gebraut und ist am heutigen Tag das Bier der Radeberger-Gruppe für den Niedrigpreis-Sektor.

Damit wird das Wicküler für mich unter Wert verkauft. Es ist ein klassisches und traditionelles Pils, was aber ganz klar zu den besseren in seiner Sparte gehört.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s