Du alte Thusnelda

Ich will hier weder jemanden beleidigen oder beschimpfen. Das liegt mir fern. Aber mit diesem Spruch wurde meine Schwester regelmäßig von ihrem Onkel begrüßt. Nett oder charmant war das sicherlich nicht, kann man aber unter dem Stichwort „Sauerländische Herzlichkeit“ verbuchen.

Doch was hat es mit dieser Thusnelda auf sich und kommt der Begriff „Tussi“ wirklich daher? Thusnelda lebte in grauer Vorzeit von 10 vor bis 17 nach Christus und war eine Tochter des Cheruskerfürsten Segestes und die Ehefrau oder wie es damals hieß Gemahlin des Cheruskerfürsten Arminus.

Vor allem im ostwestfälischen ist Arminius als Sieger der Varusschlacht bekannt. Die besagte Schlacht war ein nicht ganz unentscheidender Wendepunkt der Auseinandersetzungen zwischen den Germanen und dem Römischen Reich.

Dass die Frauen in Ostwestfalen schon immer einen eigenen Kopf hatten und nicht das taten, was man von ihnen wollte zeigt, dass Thusnelda von ihrem Vater schon einem anderen Mann versprochen war. Das scherte Thusnelda wenig und heiratete Arminius. Dass dieser sie vorher entführt hat, soll aber nicht verschwiegen werden.

Die Ehe wurde aber nicht nach germanischem Recht abgesichert. Segestes ließ Arminius entführen, der kam allerdings frei. Thusnelda blieb bei ihm, wurde allerdings wenig später durch ihren Vater entführt, der sie später Germanicus übergab. Thusnelda und der gemeinsame Sohn Thumelnicus wurden später in einem Triumphzug zu Ehren von Germanicus nach Rom gebracht. Über das weitere Leben der beiden ist nichts mehr überliefert, außer ihr Tod im Mai 17.

Bis ins 19. Jahrhundert war der Name Thusnelda positiv besetzt. Für das Gegenteil sorgte wohl auch der Roman „Hermannsschlacht“ von Kleist, der Thusnelda als Bezeichnung für nervige Ehefrauen und weibliche Diensboten etablierte. Zahlreiche Generationen von Schüler*innen kämpften sich durch die Lektüre. Ob mein Onkel so genaue Informationen hatte möchte ich bezweifeln, sonst hätte er meine Schwester bestimmt anders genannt.

Gäbe es das Thusnela-Bier aus der Detmolder Brauerei Strate nicht, könnte man sich mit Recht fragen, was Thusnelda in einem Bier-Blog zu suchen hat.

Das Thusnelda-Bier kann man in die Stilrichtung Pils einsortieren. Es ist würzig und hopfig. Also genau das, was man von einem guten Pils erwartet. Dazu kommen blumige Aromen, die die Nase sehr deutlich wahrnimmt.

Die Kohlensäure lässt es frisch und prickelnd wirken. Deutlich milder als das originale Pils von Strate. Aber ein leckeres und feines Bierchen. Sehr zum Wohle.

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